Die Frost gehört ins Rampenlicht

Auftritt war ein Genuss für Augen und Ohren

MAINZ. Im unschuldig weißen Hochzeitskleid soll sie den klammen Kleinkunstgeldbeutel füllen, es sei der letzte Ausweg – aber Pornodrehen kann sie nicht, die Frost. Muss sie ja auch nicht. Singen kann sie und schauspielern und tanzen und nicht zuletzt die Bühne des Frankfurter Hofes mit quietschbunter Requisite glaubhaft in die Garderobe eines Live-Sexclubs verwandeln.

Dass es der Berliner Chaos-Chansonniere Cora Frost und den Herren Mitmusikern, Gert Thumser am Flügel, Drummer Gary Schmalzl und Gitarrist Toni Nissl, nicht um die gleich zu Beginn sehnsüchtig besungene “Dicke Marie” geht, ist klar. Es geht darum, Brecht”sche Geschichten zu erzählen, vom Schicksal der kleinwüchsigen homosexuellen Krankenschwester “Paula Maus”, von der tragischen Liebe einer niederbayrischen, Kühe melkenden Bäuerin zu einer Städterin oder dem unglücklichen Ausgang vom öffentlichen Stadtpetting im Winter.

Lieder voller Kraft, Augenzwinkern und morbidem Charme, vorgetragen von einer tiefen, rauchigen, unter die Haut gehenden Stimme, wirbeln über die Bühne im perfekten Zusammenspiel mit einzigartiger, verruchter Cabaret-Performance. Frost und Pianist Thumser werfen sich in Windeseile in immer neue Fummel vom Hochzeitskleid über den Bademantel und ein Don-Quijote-Kostüm bis hin zur paillettenbesetzten Uniform. Die beiden sind für die oft witzigen, oft irren und manchmal auch fast nachdenklichen Seitenkommentare zuständig. Alles mündet darin, dass Thumser, der sich von Außerirdischen verfolgt glaubt, von Schlagzeuger Schmalzl, der mit seiner Musik Schweine töten kann, auf der Bühne operiert werden muss und neben allerlei Krempel auch Flugzeuge im Bauch hat.

Überhaupt, die Außerirdischen. So ganz von dieser Welt scheinen diese Herrschaften auch nicht zu sein, und so, wie es in ihren Songs ganz oft um Außenseiter geht, die versuchen, dem Leben zu trotzen, ist auch Cora Frost ein “kleiner E.T.”, aber was für einer: Eine schräge Femme Fatale, die sogar das laszive Räkeln auf der Chaiselounge mit Ironie hinbekommt. “Kannst du nicht hingehen, wo du hingehörst?”, schimpft der Mob im gleichnamigen Song auf das “Halbblut”. Bei Frost wäre das wohl ganz klar die Bühne.

Eva Szulkowski

Rheinzeitung vom 04.03.09


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