Poetischer Gegenzauber
Cora Frost brachte am Freitag die Wärme der Unterwelt in die Tufa. In dieser Welt leiden und lachen Außenseiter und Verlorene. Ihnen leiht die Künstlerin ihre ausdrucksstarke Stimme, mit ihrem Körper haucht sie ihnen Leben ein: die dicke Marie, die brennende Zwergin Paula Maus, Ljuba im Kohlfeld, die betende Bäuerin, ein Clown, Don Quichotte, Hamlet. Mit ihrem Liederabend “Best of Rest of Cora Frost” verzauberten die Sängerin und ihre sympathische Kapelle das kleine, enthusiastische Publikum.
…
TRIER. Im ironisierenden Tableau eines Life-Sex-Schuppens entwickelt Cora Frost ein experimentelles Spiel von Text, Musik, Gesang, Tanz und Kostüm: “Was machst du dort im Kohlfeld Ljuba, Ljuba warum stehst du dort in deinen weissen Schuhen. Auf dem Kohlfeldacker fahr’n alte Knacker in ihren Autos an dir vorbei auf die E 55 in die Tschechei.” Solche Poesie wird nicht aus dem Mainstream destilliert, diese Poesie schreibt das Leben selbst und natürlich der Humor. Ihre Stimme und ihren Körper führt Cora Frost ohne Rücksicht auf Verluste in den Kampf gegen die Chansonetten-Klamotte. Ihre schönen und skurrilen Bühnenkostüme rüsten sie für ihre Auflehnung gegen Geschlechtergrenzen und Rollenklischees. Wenn Cora Frost eine Bäuerin im Kuhstall verkörpert, die Maria um Hilfe in ihrer Liebe für eine Städterin anfleht, dann tut sie dies in schwarz-glitzernder Robe und selten voluminöser Boa. Das virtuose Brechen der Stilebenen ist eine von Cora Frosts leichtesten Übungen.
Ihre Mitstreiter Gert Thumser – der wichtigste Mann im Leben einer Chansonette ist ihr Pianist -, Gary Schmalzl an der Gitarre und Drummer Toni Nissl kämpfen mit ihr gegen die Mühlen des Showbiz – und das mit der nötigen Lässigkeit. Dass der schwergewichtige und elfengleiche Gert Thumser von Außerirdischen per Peilsender zum Sex gezwungen wird, treibt ihn in die Schwermut. Da hilft nur eine OP auf offener Bühne, die neben viel Blut, ein Flugzeug und den Sender hervorbringt. Die Schwermut allerdings ist nun geheilt.
Cora Frosts Experimentalkabarett spielt mit Humor und Ernst, mit Poesie und Klamauk. Der Engel des Bizarren beschwört die großen Sterne der “Klein”-Kunst: die Grotesktänzerin Anita Berber, Seeräuberjenny und Bond-Bösewichtin Lotte Lenja, die Diseusen Ingrid Caven, Georgette Dee, Tim Fischer, die Popette Betancor… Die Präsenz ihrer Seelen wird in Frosts Kunst zu einer sehr eigenständigen Performance von hoher Dichte und Intelligenz. Den künstlerischen und erotischen Fundus des Varietés schleppt sie mit Nonchalance in eine poetische Welt, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht, die auch die existentielle Gefährdung des herumziehenden Künstlers, seines Lebens zwischen Euphorie und Verlorenheit umfasst. Auch wenn Cora Frost ein ironisches Spiel mit Essen und Liebe, Hunger und Verzweiflung, Männern und Frauen inszeniert, sie und ihre Gefährten haben den Ernst der Lage erkannt – längst vor der großen Wirtschaftskrise. Die Unterwelt ist eben schneller.
Das glückliche Publikum macht sie glücklich. Nach vielen Zugaben verlässt sie als kleiner Prinz Hamlet mit bezauberndem Dekolleté und reizendem Lächeln die Tufa-Bühne: Ich hör’ Musik, dorthin geh ich zurück.
Ihre Mitstreiter Gert Thumser – der wichtigste Mann im Leben einer Chansonette ist ihr Pianist -, Gary Schmalzl an der Gitarre und Drummer Toni Nissl kämpfen mit ihr gegen die Mühlen des Showbiz – und das mit der nötigen Lässigkeit. Dass der schwergewichtige und elfengleiche Gert Thumser von Außerirdischen per Peilsender zum Sex gezwungen wird, treibt ihn in die Schwermut. Da hilft nur eine OP auf offener Bühne, die neben viel Blut, ein Flugzeug und den Sender hervorbringt. Die Schwermut allerdings ist nun geheilt.
Cora Frosts Experimentalkabarett spielt mit Humor und Ernst, mit Poesie und Klamauk. Der Engel des Bizarren beschwört die großen Sterne der “Klein”-Kunst: die Grotesktänzerin Anita Berber, Seeräuberjenny und Bond-Bösewichtin Lotte Lenja, die Diseusen Ingrid Caven, Georgette Dee, Tim Fischer, die Popette Betancor… Die Präsenz ihrer Seelen wird in Frosts Kunst zu einer sehr eigenständigen Performance von hoher Dichte und Intelligenz. Den künstlerischen und erotischen Fundus des Varietés schleppt sie mit Nonchalance in eine poetische Welt, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht, die auch die existentielle Gefährdung des herumziehenden Künstlers, seines Lebens zwischen Euphorie und Verlorenheit umfasst. Auch wenn Cora Frost ein ironisches Spiel mit Essen und Liebe, Hunger und Verzweiflung, Männern und Frauen inszeniert, sie und ihre Gefährten haben den Ernst der Lage erkannt – längst vor der großen Wirtschaftskrise. Die Unterwelt ist eben schneller.
Das glückliche Publikum macht sie glücklich. Nach vielen Zugaben verlässt sie als kleiner Prinz Hamlet mit bezauberndem Dekolleté und reizendem Lächeln die Tufa-Bühne: Ich hör’ Musik, dorthin geh ich zurück.
Christa Blasius
16vor vom 12.10.08
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- Published:
- October 14, 2008 / 6:19 am
- Category:
- Presse
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