Liebe, Lust und Leidenschaft
PFORZHEIM. Es ist ein wundersamer, ein ebenso außergewöhnlicher und hinreißender wie irritierender Abend, den Cora Frost ihrem Publikum im Malersaal des Pforzheimer Kulturhauses Osterfeld mit dem Programm „Best of Rest of Cora Frost” beschert. Denn wenn die in Berlin lebende Chanteuse mit markanter, brillanter und überaus variantenreicher Stimme von Liebe, Lust und Leidenschaft singt und in ihren bisweilen skurril betexteten Titeln mit trauriger Heiterkeit Ängste und Sorgen thematisiert, dann vermag man als Zuhörer und -schauer nicht immer recht zu begreifen und in Worte zu fassen, was man mit zumeist großer Intensität erlebtFrost ist eigen und eigensinnig; Frost ist frech, fröhlich und frivol; Frost ist charmant, charismatisch und chaotisch; Frost ist Frost – mit jeder Faser ihres Körpers, mit jedem Ton, den sie mit strotzendem Selbstbewusstsein durch ihre Stimmritze presst oder pulsieren über ihre Lippen perlen lässt. Hier erinnert sie ein bisschen an Nina Hagen, dort ein wenig an Gianna Nannini, um nur Augenblicke später mit geradezu lieblich anmutenden Klängen das Publikum süß säuselnd zu umgarnen und dann mit punkig-rockigen zu überraschen.
Thematisch wie stilistisch lässt sich „die Frost” in keine der gängigen Schubladen stecken. Denn nichts – das macht das dynamische und bisweilen zu bunte Programm deutlich – scheint der ausdrucksstarken Bühnenakteurin mehr zuwider zu sein, als angepasst oder gar konservativ zu wirken. Schrill, und schräg, zwischen schön und schaurig ist das, was die 45-Jährige bietet.
Es ist das eigenwillige, unkonventionelle Spiel mit Worten und vermeintlichen gesellschaftlichen Werten, das Cora Frost beim Gestalten und Präsentieren ihrer Lieder reizt, ganz gleich, ob sie die Moritat der homosexuellen Paula von der Bühne schmettert, von der dicken Marie singt oder die Liebe eine jungen Bäuerin zu einer Geschlechtsgenossin aus der Stadt zum besten gibt. Dabei ist es zumeist die melancholische Fröhlichkeit, die in zumeist heiter-absurden Texten zum Schmunzeln oder Nachdenken reizt. Und es ist Frosts Offen-, Direkt- und Unverblümtheit, die das Publikum unmittelbar ergreift und von der schnellen, erotischen Eingangsnummer bis zum „This Way Is My Way”-Finale nicht mehr los lässt. Faszinierend dabei, mit welcher Präsenz die Akteurin das Bühnengeschehen beherrscht und dennoch Raum lässt, damit auch ihre Begleiter Gert Thumser (Flügel), Gary Schmalzl (Gitarre) und Toni Nissel (Schlagzeug) weit mehr als nur Randerscheinungen in „Best of Rest of Cora Frost” sind.
Ralf Recklies
Pforzheimer Zeitung vom 11.10.08
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- Published:
- October 14, 2008 / 6:22 am
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- Presse
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