Ljuba, ach Ljuba, was machst du im Kohl
Ich verbinde damit 2 geschichten beide aber nicht so lustig. 1. geschichte: In der fünften klasse bekam ich über meinen russischlehrer eine russische brieffreundin, die ljuba hieß. Diese briefreundinnen wurden uns zugeteilt und wir durften sie nutzen. Meine kam aus karagandinskaja. ljuba sah aus, wie eine mongolische prinzessin mit starken braunen haaren, ein paar leberflecken im gesicht, die aber alle ungemein gut saßen und sie hatte mandelförmige, melancholische augen, die an alexandra erinnerten. Irgendwo habe ich noch 2 fotos von ihr. Sie schrieb ein sehr gutes deutsch und ich hoffe, mein russisch war ebenso. Zu neujahr schickte sie mir ein paket mit einer riesigen russischen puppe, die damals viel geld gekostet haben mußte. Meine ganze familie stand platt und ehrfürchtig vor diesem geöffneten paket und wir wußten nicht, wieso uns solche ehre bzw. herzlichkeit zuteil wurde. Ich weiß nicht mehr was ich ihr zurückschickte irgendwas selbstgebasteltes warscheinlich, in dem viel arbeit drin steckte. Man durfte nicht alles schicken. Unser briefwechsel war sehr lustig und irgendwann dachte ich daran, sie vielleicht zu besuchen. Als ich in der 8. Klasse war kam kein brief mehr. Lange zeit. Plötzlich kam doch einer, aber der war in russisch geschrieben und sehr lang und darin war ein foto von einem fremden mädchen. Mein russischlehrer überflog ihn und sagt mir dann, dass dieses mädchen eine entfernte freundin von ljuba sei, eine art brieffreundschaftsersatz. Ljuba ginge es nicht so gut, schriebe sie, ljuba müsse sich um ihre familie kümmern, hätte viel zu tun, müsse arbeiten und sie schaffe es nicht mehr zu schreiben. Sie aber würde gerne schreiben und bitte mich, ihr eine art jacke zu schicken, die sie auf beiliegendem foto anhabe. So etwas gäbe es bei ihr nicht. Das foto war so entwickelt, bzw abgezogen, dass die jacke, so eine art daunenanorak mit bündchen, sehr gut zu erkennen war, während das gesicht völlig überbelichtet gewesen ist. nUr eine weiße fläche mit zwei schmalen schlitzen. Ich kam mir vor, wie der prinz in aschenputtel, dem statt des aschenputtels die stiefschwester angedreht werden sollte. Ich hab nicht mehr geschrieben. Mir war so kalt….
2. geschichte ich fahre mit meinem kollegen im bulli zu einer kleinen tournee: kindertheater in schwer erreichbaren regionen. Die landschaft ist wunderschön. Mein kollege sagt: „guck mal da: spermahütten.” Wir sehn sie oft, weil wir die strecke oft fahren. Die anderen kleinen bullis mit den frauen drin. Ich sage halb aus spass: „halt an, setzt mich dort ab!” Er sagt: „geht nicht , auf meinem bus steht:” wir bringen theater”, wenn das wer sieht, der mich kennt, dann ist schluss mit lustig…” wir fahren weiter. ich stelle mir vor, wie er angehalten hätte, und ich wäre ausgestiegen und zu der frau in den wagen gegangen, ich hätte ihr meine kindertheatergage gegeben und sie gefragt, ob ich sie vielleicht berühren dürfe. Ich hätte mich unglaublich geschämt, aber vielleicht hätte sie gar kein deutsch verstanden. Ich hätte nicht gewußt, wie ich es ihr sagen solle, was ich möchte. „Liebe ohne Liebe”. Weil ich verheiratet bin und trotzdem frauen mag und weil, als ich das letzte mal eine frau liebte, es nur weh tat. Ich stelle mir vor, wie ich ihr nicht in die augen blicken könne und mir vorkomme, wie einer dieser „knacker” die du besingst, nicht besser und nicht schlechter und mit genau diesen sehnsüchten. Und ich stelle mir vor, wie sie mich nicht versteht und einfach nur lacht und das ist noch schlimmer als die vorstellung mit den „knackern”. Liebe cora, das sei mein beitrag, ich hoffe, du bekommst noch mehr geschichten. Das ist eine sehr schöne idee. Ich habe sie gerne geschrieben.
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You’re currently reading “Ljuba, ach Ljuba, was machst du im Kohl,” an entry on Best of Rest of Cora Frost
- Published:
- September 30, 2008 / 6:18 pm
- Category:
- Wunschmusik
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