Fugu

es muss wohl fugu gewesen sein, denn das ist das was auf dem plakat zu lesen ist, welches nun schon seit ungefähr 9 jahren wacker den fett- und kaffeedünsten aus meiner küche an der wand hängend die kalte schulter zeigt.
ein übergroßes portrait coras ist über dem titel zu sehen, geradezu herrschend blickt sie einen vom weißen grund an.
die übliche spur zu lange musste man damals im foyer des jungen theaters in der friesenstraße ausharren, damit man den künstler nach dem konzert noch zum autogramm überreden konnte. so getan stand ich allein in jenem foyer, cora begab sich abgeschminkt und in ermangelung einer ausreichend großen schreibunterlage und auf die alten holzbolen des foyers und unterschrieb auf dem fugu-plakat. der dielenabdruck ist noch heute in der schrift wiederzuerkennen.

kaum in meine erste eigene bremer wohnung gezogen, hängte ich das plakat an die schmale wand der einraumwohnung nahe der küche und über die volle wohnungslänge betrachtet gegenüber des von zimmermannshand gebauten bettes.

so wurde neben cora gekocht, unter ihr milchschaum aufgeschäumt und am küchentresen die ein oder andere nacht durchgequatscht.
ich muss sagen ich vergass mit der weile fast ihre anwesenheit. schaffte es auch kaum noch in ein konzert und so hing fugu bei mir still an der wand und wurde eins mit eben jener.

schon fast nicht mehr von mir bemerkt – weil über die zeit zur tapete geworden – erreichte cora aber immer und immer wieder ein großes maß an aufmerksamkeit bei liebhaber/innen. vor allem eben dann wenn man sich nicht in der küche aufhielt, sondern im gegenüberliegenden ende der einraumwohung.
völlig überrascht hörte ich des öfteren den satz: „…und dass alles unter den augen von frau frost”, wenn man sich liebte. manchmal geriet ich gar in zweifel, ob das plakat abgehängt gehörte, weil es doch ein beobachtender mitbewohner war. aber ich mag es sehr, so blieb es hängen und alle liebhaber/innen müssen sich daran gewöhnen, dass jemand von der wand her auf das bett schaut…
oder ist das ein grund es das nächste mal im bad zu tun….?
ich warte auf den tag da jemand sagt: „…ich kann das so nicht.” da werde ich wohl schallendes gelächter nicht verbergen können.

unlängst trennte ich mich von vielen erinnerungen in meiner wohnung, ja es kam einer entkernung nah, briefe verschwanden in großen säcken und später auf der deponie, süßeste stofftiere, am strand gesammelte muscheln und bilder von freunden gemalt verschwanden. aber eine sache aus meinem ersten jahr in meiner ersten bremer einraumwohnung blieb. cora. cora an der wand. Ich bedanke mich für 9 jahre wohngemeinschaft und freue mich auf die nächsten jahre, choppergirl.


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